Chiemsee
Cytat z Uwe data 26. listopad 2025, 11:23Der Chiemsee ist mit ca. 54 Kilometern Uferlänge der größte, in der Iron Lake Challenge Bayern zu umrundende See.
https://www.youtube.com/watch?v=-iZlVrsnqcQ&t=7s
Ehrfurchtsvoll als das „Bayerische Meer“ bezeichnet, ist der Chiemsee weit mehr als nur ein großes Gewässer vor der wunderschönen Kulisse der Alpen mit Blick auf die Kampenwand. Er ist ein Schauplatz europäischer Geschichte, ein geologisches Erbe der Eiszeit und ein Rückzugsort für seltene Naturschauspiele.
1. Geologie: Ein Kind der Eiszeit
Die Entstehung des Chiemsees ist eine Geschichte von gigantischen Naturkräften die entfesselt wurden. Vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren schob sich der gewaltige Chiemsee-Gletscher aus den Alpenvorbergen nach Norden. Als das Eis schmolz, blieb ein riesiges Becken zurück, das einst dreimal so groß war wie der heutige See.
Das schrumpfende Meer: Ursprünglich bedeckte der See eine Fläche von fast 240 km2. Heute sind es nur noch etwa 80 km2. Der Grund ist die natürliche Verlandung, vor allem durch die Tiroler Achen, die jährlich Unmengen an Geröll und Schlamm in den See spült.
Das größte Binnendelta: Dort, wo die Tiroler Achen in den See mündet, befindet sich das größte Binnendelta Mitteleuropas. Es wächst jedes Jahr um etwa die Fläche eines Fußballfeldes in den See hinein – ein lebendiger Beweis für die ständige Veränderung der Landschaft.
Meteoriten-Mythos: Lange Zeit hielt sich die Theorie des „Chiemgau-Impakts“. Forscher vermuteten, ein Kometeneinschlag in der Bronzezeit habe den See oder umliegende Krater geformt. Wissenschaftlich gilt heute jedoch die Eiszeit-Theorie als gesichert; die „Donnerlöcher“ der Region sind eher geologische Besonderheiten (Toteislöcher) als Narben aus dem Weltall.
2. Herrenchiemsee: Ein Schloss der Superlative
Die Herreninsel ist die größte der drei Inseln und beherbergt das wohl berühmteste Bauwerk der Region: das Neue Schloss Herrenchiemsee.
Das bayerische Versailles: König Ludwig II. kaufte die Insel 1873, um sie vor der Abholzung durch Holzspekulanten zu retten. Sein Ziel war ein Denkmal für sein Idol, den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. von Frankreich. Das Schloss ist keine exakte Kopie von Versailles, sondern sollte dessen Prunk sogar noch übertreffen.
Unvollendeter Gigantismus: Trotz der immensen Kosten von über 16 Millionen Goldmark blieb das Schloss unvollendet. Von den geplanten 70 Zimmern waren beim Tod des Königs 1886 nur 20 fertiggestellt. Dennoch ist der Spiegelsaal mit 75 Metern Länge größer als sein Vorbild in Versailles.
Technik-Pionier: Ludwig II. liebte moderne Technik. Das Schloss besaß eines der ersten „Tischlein-deck-dich“-Systeme (ein versenkbarer Speisetisch) und ein beheizbares Marmorbad mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Litern Wasser – für die damalige Zeit purer Science-Fiction-Luxus.
UNESCO-Welterbe: Seit dem Sommer 2025 gehört das Schloss offiziell zum UNESCO-Weltkulturerbe, was seinen Status als Denkmal von globalem Rang unterstreicht.
3. Die Fraueninsel: Ein Ort der Stille und Kunst
Im starken Kontrast zur monumentalen Herreninsel steht die kleine, verwinkelte Fraueninsel (Frauenwörth).
Eines der ältesten Klöster: Das Kloster Frauenchiemsee wurde bereits um 782 n. Chr. durch Herzog Tassilo III. gegründet. Es ist eines der ältesten ununterbrochen bestehenden Frauenklöster Deutschlands. Die Benediktinerinnen sind bis heute für ihr handgemachtes Marzipan und ihren Klosterlikör berühmt.
Autofreies Idyll: Die Insel ist komplett autofrei und kann in nur 20 Minuten umrundet werden. Sie ist seit jeher eine Künstlerkolonie. Das besondere Licht und die Abgeschiedenheit zogen im 19. Jahrhundert Maler der Münchner Schule an, deren Werke heute in Galerien rund um den See zu bewundern sind.
Die Selige Irmengard: Die Schutzpatronin des Chiemgaus, Irmengard von Buchau, war die erste namentlich bekannte Äbtissin des Klosters. Ihr Grab in der Münsterkirche ist bis heute ein wichtiger Wallfahrtsort.
4. Die „vergessene“ Krautinsel
Die dritte und kleinste Insel im Bunde ist die unbewohnte Krautinsel. Ihren Namen verdankt sie ihrer mittelalterlichen Nutzung: Die Nonnen des Klosters bauten dort Gemüse und Kräuter an, da der Boden auf der Fraueninsel nicht ausreichte. Heute dient sie vor allem als Weide für Schafe, die im Frühjahr per Boot auf die Insel transportiert werden – ein kurioser Anblick für Touristen.
5. Schifffahrt und Technikgeschichte
Der Tourismus am Chiemsee begann quasi am Tag nach der Beisetzung von Ludwig II., als sein Nachfolger das Schloss für Besucher öffnete.
Die Chiemsee-Bahn: Seit 1887 verbindet eine der ältesten betriebsfähigen Dampfstraßenbahnen der Welt den Bahnhof Prien mit dem Hafen Stock. Wer hier zusteigt, reist in Original-Waggons aus der Gründerzeit.
Die „Ludwig Fessler“: Der Stolz der weißen Flotte ist der Raddampfer „Ludwig Fessler“. Er wurde 1926 gebaut und vermittelt mit seinen schaufelnden Rädern an den Seiten noch heute das Flair der „Belle Époque“.
6. Natur pur: Flamingos in Bayern?
Der Chiemsee ist ein international bedeutendes Vogelschutzgebiet. Jedes Jahr rasten hier bis zu 30.000 Wasservögel.
Exotische Gäste: Tatsächlich werden im Winter immer wieder Flamingos am See gesichtet. Es handelt sich meist um Ausreißer aus Zoos oder deren Nachkommen, die sich in den flachen Uferzonen des „Bayerischen Meeres“ sichtlich wohlfühlen.
Fischreichtum: Der See ist berühmt für die Chiemsee-Renke. Über ein Dutzend Berufsfischerfamilien sind noch am See aktiv – ein Handwerk, das seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Ein kleiner Geheimtipp zum Abschluss
Wenn du den See einmal ganz ohne Trubel erleben möchtest, empfiehlt sich eine Wanderung durch das Moor (die Kendlmühlfilzen) im Süden. Von dort aus hat man einen Panoramablick auf den See und die Alpen, der erklärt, warum König Ludwig II. ausgerechnet diesen Ort für sein „Tempel des Ruhmes“ wählte.
Ist Dir ein gutes Foto gelungen oder hast Du eine nette Geschichte?
Dann schreib sie doch bitte gleich unter diesen Beitrag! Wir würden uns freuen.
Der Chiemsee ist mit ca. 54 Kilometern Uferlänge der größte, in der Iron Lake Challenge Bayern zu umrundende See.
Ehrfurchtsvoll als das „Bayerische Meer“ bezeichnet, ist der Chiemsee weit mehr als nur ein großes Gewässer vor der wunderschönen Kulisse der Alpen mit Blick auf die Kampenwand. Er ist ein Schauplatz europäischer Geschichte, ein geologisches Erbe der Eiszeit und ein Rückzugsort für seltene Naturschauspiele.
1. Geologie: Ein Kind der Eiszeit
Die Entstehung des Chiemsees ist eine Geschichte von gigantischen Naturkräften die entfesselt wurden. Vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren schob sich der gewaltige Chiemsee-Gletscher aus den Alpenvorbergen nach Norden. Als das Eis schmolz, blieb ein riesiges Becken zurück, das einst dreimal so groß war wie der heutige See.
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Das schrumpfende Meer: Ursprünglich bedeckte der See eine Fläche von fast 240 km2. Heute sind es nur noch etwa 80 km2. Der Grund ist die natürliche Verlandung, vor allem durch die Tiroler Achen, die jährlich Unmengen an Geröll und Schlamm in den See spült.
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Das größte Binnendelta: Dort, wo die Tiroler Achen in den See mündet, befindet sich das größte Binnendelta Mitteleuropas. Es wächst jedes Jahr um etwa die Fläche eines Fußballfeldes in den See hinein – ein lebendiger Beweis für die ständige Veränderung der Landschaft.
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Meteoriten-Mythos: Lange Zeit hielt sich die Theorie des „Chiemgau-Impakts“. Forscher vermuteten, ein Kometeneinschlag in der Bronzezeit habe den See oder umliegende Krater geformt. Wissenschaftlich gilt heute jedoch die Eiszeit-Theorie als gesichert; die „Donnerlöcher“ der Region sind eher geologische Besonderheiten (Toteislöcher) als Narben aus dem Weltall.
2. Herrenchiemsee: Ein Schloss der Superlative
Die Herreninsel ist die größte der drei Inseln und beherbergt das wohl berühmteste Bauwerk der Region: das Neue Schloss Herrenchiemsee.
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Das bayerische Versailles: König Ludwig II. kaufte die Insel 1873, um sie vor der Abholzung durch Holzspekulanten zu retten. Sein Ziel war ein Denkmal für sein Idol, den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. von Frankreich. Das Schloss ist keine exakte Kopie von Versailles, sondern sollte dessen Prunk sogar noch übertreffen.
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Unvollendeter Gigantismus: Trotz der immensen Kosten von über 16 Millionen Goldmark blieb das Schloss unvollendet. Von den geplanten 70 Zimmern waren beim Tod des Königs 1886 nur 20 fertiggestellt. Dennoch ist der Spiegelsaal mit 75 Metern Länge größer als sein Vorbild in Versailles.
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Technik-Pionier: Ludwig II. liebte moderne Technik. Das Schloss besaß eines der ersten „Tischlein-deck-dich“-Systeme (ein versenkbarer Speisetisch) und ein beheizbares Marmorbad mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Litern Wasser – für die damalige Zeit purer Science-Fiction-Luxus.
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UNESCO-Welterbe: Seit dem Sommer 2025 gehört das Schloss offiziell zum UNESCO-Weltkulturerbe, was seinen Status als Denkmal von globalem Rang unterstreicht.
3. Die Fraueninsel: Ein Ort der Stille und Kunst
Im starken Kontrast zur monumentalen Herreninsel steht die kleine, verwinkelte Fraueninsel (Frauenwörth).
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Eines der ältesten Klöster: Das Kloster Frauenchiemsee wurde bereits um 782 n. Chr. durch Herzog Tassilo III. gegründet. Es ist eines der ältesten ununterbrochen bestehenden Frauenklöster Deutschlands. Die Benediktinerinnen sind bis heute für ihr handgemachtes Marzipan und ihren Klosterlikör berühmt.
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Autofreies Idyll: Die Insel ist komplett autofrei und kann in nur 20 Minuten umrundet werden. Sie ist seit jeher eine Künstlerkolonie. Das besondere Licht und die Abgeschiedenheit zogen im 19. Jahrhundert Maler der Münchner Schule an, deren Werke heute in Galerien rund um den See zu bewundern sind.
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Die Selige Irmengard: Die Schutzpatronin des Chiemgaus, Irmengard von Buchau, war die erste namentlich bekannte Äbtissin des Klosters. Ihr Grab in der Münsterkirche ist bis heute ein wichtiger Wallfahrtsort.
4. Die „vergessene“ Krautinsel
Die dritte und kleinste Insel im Bunde ist die unbewohnte Krautinsel. Ihren Namen verdankt sie ihrer mittelalterlichen Nutzung: Die Nonnen des Klosters bauten dort Gemüse und Kräuter an, da der Boden auf der Fraueninsel nicht ausreichte. Heute dient sie vor allem als Weide für Schafe, die im Frühjahr per Boot auf die Insel transportiert werden – ein kurioser Anblick für Touristen.
5. Schifffahrt und Technikgeschichte
Der Tourismus am Chiemsee begann quasi am Tag nach der Beisetzung von Ludwig II., als sein Nachfolger das Schloss für Besucher öffnete.
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Die Chiemsee-Bahn: Seit 1887 verbindet eine der ältesten betriebsfähigen Dampfstraßenbahnen der Welt den Bahnhof Prien mit dem Hafen Stock. Wer hier zusteigt, reist in Original-Waggons aus der Gründerzeit.
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Die „Ludwig Fessler“: Der Stolz der weißen Flotte ist der Raddampfer „Ludwig Fessler“. Er wurde 1926 gebaut und vermittelt mit seinen schaufelnden Rädern an den Seiten noch heute das Flair der „Belle Époque“.
6. Natur pur: Flamingos in Bayern?
Der Chiemsee ist ein international bedeutendes Vogelschutzgebiet. Jedes Jahr rasten hier bis zu 30.000 Wasservögel.
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Exotische Gäste: Tatsächlich werden im Winter immer wieder Flamingos am See gesichtet. Es handelt sich meist um Ausreißer aus Zoos oder deren Nachkommen, die sich in den flachen Uferzonen des „Bayerischen Meeres“ sichtlich wohlfühlen.
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Fischreichtum: Der See ist berühmt für die Chiemsee-Renke. Über ein Dutzend Berufsfischerfamilien sind noch am See aktiv – ein Handwerk, das seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Ein kleiner Geheimtipp zum Abschluss
Wenn du den See einmal ganz ohne Trubel erleben möchtest, empfiehlt sich eine Wanderung durch das Moor (die Kendlmühlfilzen) im Süden. Von dort aus hat man einen Panoramablick auf den See und die Alpen, der erklärt, warum König Ludwig II. ausgerechnet diesen Ort für sein „Tempel des Ruhmes“ wählte.
Ist Dir ein gutes Foto gelungen oder hast Du eine nette Geschichte?
Dann schreib sie doch bitte gleich unter diesen Beitrag! Wir würden uns freuen.
